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Wie gerne wäre ich mit den andern Kindern mitgerannt, doch mein Körper war zu schwach. Ich fühlte mich dadurch ins Abseits gestellt. Obwohl sich im Lauf der Jahre vieles veränderte, spüre ich heute noch die Schwäche meines Körpers. Vor allem wenn meine besten Freunde mich von gemeinsamen Aktivitäten ausschlossen, fühlte ich mich regelrecht als Aussenseiter. Ihre Furcht, ich könnte ihnen durch meine schwache Gesundheit ein Hindernis sein beim Sport oder auf Bergtouren, war für mich jedoch nachvollziehbar. Das «auf die Seite gestellt werden» in so manchen Umständen, hinterliess tiefe innere Verletzungen. Dies brachte mich in eine Krise. 

Ein Bibelstudium über Sicherheit und Geborgenheit  zeigte mir meinen richtigen Selbstwert. Eine neue Gewissheit erwachte: Ich bin von Gott voll und ganz angenommen; er liebt mich sehr. All dies half mit, meine Beziehung zu Gott viel tiefer werden zu lassen. Ich erkannte, dass er Gedanken des Friedens über meinem Leben hatte, um mir Zukunft und Hoffnung zu geben. Es mag sein, dass diese Aussage Sie wie ein Schlag ins Gesicht trifft, wenn Sie sich aktuell gegen Ihr Schicksal und gegen einen Gott der Liebe auflehnen. Auch ich kenne diese Phase bestens; und jahrelang stellte ich die Frage: «Warum ausgerechnet ich?»

Eines Tages hatte ich den Mut, diese Frage Gott zu stellen, denn in der Bibel las ich, wie Hiob und einige Psalmenschreiber ihr «Warum» vor Gott brachten: «Herr, warum geschieht dies ausgerechnet mir?» Ich bekam nicht alle Antworten auf das Leiden. Trotzdem verstand ich sein Handeln in meinem Leben viel besser, genau wie Hiob. So erkannte ich langsam, dass meine Schwierigkeiten begrenzt und vergänglich sind. Mit Gottes Hilfe öffneten sich mir neue Horizonte: Ich lernte Ihm danken für den «halbvollen Becher», den Gott selbst mir eingeschenkt hat. So trauerte ich nicht länger dem «halbleeren Becher» nach.          

Mein Trost liegt seither in Gottes Wort: «Ich bin ganz sicher, dass alles, was wir jetzt erleiden, nichts ist, verglichen mit der Herrlichkeit, die wir einmal erfahren werden» (Römer 8,18).

Anni Schatzmann